Ich erinnere mich noch gut, wie ich mir an der Universität zum ersten Mal ein Praktikum ergattert hatte.

800 Euro pro Monat habe ich verdient.

Ich war hin und weg.

Ich konnte nicht glauben, dass man als Praktikant so viel Geld verdienen kann.

Bei meinem zweiten Praktikum bekam ich 1200 Euro pro Monat und bei meinem dritten Praktikum 2000 Euro pro Monat, ein 1000 Euro Stipendium für mein Auslandssemster, das ich im Anschluss machte und einen 1500 Euro Bonus.

Das Komische war nur: Ich hatte nie das Gefühl, dass ich wirklich echten Wert stiftete.

Ich meine: Wie verdiente die Firma mit meiner Arbeit ihr Geld? Warum verdiente ich in meinem Praktikum nach Steuern mehr als meine Mutter, die bereits viele Jahre im Beruf war?

Kleines Zahnrad in der großen Maschine

Dieses Gefühl, das Gefühl nicht wirklich zu wissen, ob meine Leistung wirklich etwas wert war und wenn ja, wie viel, hat mich in den Praktika immer stark verunsichert.

Mein Erfolg war für mich nicht wirklich messbar.

Stattdessen, so schien mir, war der Erfolg in der Beratung in der ich mein Praktikum machte daran bemessen, wie lange ich im Office blieb, wie schnell und elegant ich Daten recherchieren und in ein Excel Sheet hauen konnte und daran ob ich am Telefon ein paar Informationen aus meinen Interviewpartnern locken konnte.

Ich denke ähnlich geht es vielen Menschen, die in einer Festanstellung sind.

Zumindest, wenn sie sich relativ fern vom Verkauf der Produkte der Firma sehen und das Gefühl haben nur ein winziges Zahnrad im Großen Ganzen zu sein, das sie nicht so richtig verstehen. Sobald der Erfolg nur bedingt in konreten Verkaufszahlen oder messbaren Ergebnissen quantifizierbar ist, stellt sich ein Gefühl von Unsicherheit ein.

Ich selbst habe das als ein deprimierendes Gefühl empfunden und es ist eines der Dinge, die mir am Unternehmertum am besten gefällt: Die Nähe zum (End)Kunden. Sobald ich diese Nähe habe, verstehe ich die Welt wieder.

Unternehmer – der Erschaffer der Maschine

Als Unternehmer ist der (finanzielle) Erfolg für mich klar messbar. Ich verstehe wo das Geld herkommt, das für die Gehälter der Mitarbeiter und mein eigenes bezahlt.

Ich verstehe, was den Kunden bewegt Geld für meinen Service oder Produkt auszugeben (oder ich habe zumindest die Möglichkeit ihn zu fragen) und ich sehe auch, was der Wert ist, den ich ganz persönlich in das Unternehmen einbringe und wie sich meine Handlungen auf das Ergebnis auswirken.

Das ist ein erhebendes Gefühl.

Es erfordert ein Verständnis vom Ganzen. Und da ich das Ganze selbst mit schaffe, habe ich dieses Verständis von Grund auf.

Dadurch, dass ich das Ganze selbst gestalte, habe ich auch das Gefühl, dass ich die Entscheidungen treffen kann, die am besten für die Firma und mich sind.

Ich bin selbst verantworltlich für meinen Erfolg und den Erfolg der Firma. Ich kann die Verantwortung nicht abwälzen.

Im Gegensatz dazu, geben viele Menschen im Angestelltendasein ihre Entscheidungsbefugnis und damit auch einen großen Teil ihrer Freiheit ab.

Inzwischen bin ich darüber oftmals sehr erstaunt. Denn sobald ich nicht mehr das Ganze überschaue, muss ich das Vertrauen haben, dass das Ganze System in meinem besten Interesse handelt.

Ich kann es nur begrenzt beeinflussen.

Außerdem vertraue ich in dem Moment, in dem ich mich anstellen lasse darauf, dass die Firma meine Arbeitszeit besser einzusetzen weiß, als ich das selbst mit meiner produktiven Zeit anzufangen wüsste.

Warum glauben wir das?

In Jobs in denen ich durch die Ressourcen der Firma Möglichkeiten habe, die ich alleine nicht hätte, beispielsweise Zugang zu Maschinen oder hochwertigen Produkten, kann ich das gut nachvollziehen.

Aber in vielen anderen Jobs macht es schlichtweg keinen Sinn. Wir wären alleine vermutlich produktiver und besser bezahlt unterwegs.

Aber noch viel wichtiger: Wir würden eigene Ideen und Träume und Visionen umsetzen und die Welt damit (hoffentlich) bereichern.

Die Zahnradfabrik

Ich glaube, dass der Grund dafür, dass viele Menschen trotz den Möglichkeiten, die das Unternehmertum mit all seinen Gestaltungsmöglichkeiten bietet nach der „Sicherheit“ des Angestelltendaseins streben ist, dass wir an der Schule schlichtweg immer gelernt haben, dass wir mal für andere Menschen arbeiten werden.

Es ist nichts verkehrt daran für andere zu arbeiten. Aber das als gemeingesellschaftlichen Tenor in den Kopf jedes Kindes einzuhämmern, ist einfach grob fahrlässig.

Wir bremsen uns damit gesellschaftlich aus und nehmen das Ganze kreative Potential von tausenden jungen Menschen und erklären ihnen, dass sie sich in die bereits vorhandenen Strukturen pressen sollen, anstatt neue, innovativere Strukturen zu schaffen.

Schließlich sind es Unternehmen und Unternehmer, die dafür sorgen, dass Strom produziert wird, dass Essen auf unseren Tellern landet, dass wir Werkzeuge haben, dass es Autos gibt, ja selbst, dass wir nicht bei Kerzenschein zu Abend essen, sondern Lampen haben, die Licht spenden.

Fazit

Wenn unser Fortschritt von (nachhaltig) unternehmerisch denkenden Menschen kommt, dann sollte unsere Gesellschaft wohl alles daran hängen innovatives und unternehmerisches Denken zu fördern.

Und wenn wir selbst auch teilhaben wollen an den Möglichkeiten die Unternehmertum bietet, dann gab es vermutlich noch keine Zeit, in der Gründung einfacher und mit weniger Kapital möglich war. Es ist Zeit den ersten Schritt zu machen.

Let’s rock the world!

Dein Thomas

 

 

Bild: Zahnrad