4 Business-Lektionen, die ich beim Trampen von Berlin nach Indien gelernt habe

Namaste, 

In den letzten sechs Wochen bin ich mit meinem Kollegen Johann von Berlin nach Indien getrampt, um das soziale Projekt Guts For Change in Indien zu unterstützen und einen Film über die Tour und das Projekt mit Hilfe der Crowd zu finanzieren. Wie immer beim Reisen habe ich einige wichtige Lektionen für mich gelernt, die sich sehr gut auf das Starten von StartUps und Projekten übertragen lassen. 

Hier meine 4 wichtigsten Business Learnings aus der Tour von Berlin nach Indien: 

1. Hilf anderen Dir zu helfen und teile Deine Vision

Ein absolutes Aha Erlebnis hatte ich direkt nach dem wir es nach Indien geschafft hatten. Wir kamen völlig verschwitzt über die indische Grenze und es waren kaum Autos da, die man nach einem Ride hätte fragen können. Außerdem sag es nach Regen aus. Nach den ersten Erfahrungen mit dem Monsun in Islamabad hatte ich keine Lust im strömenden Regen den Daumen raus zu halten.

Johann hatte etwas mehr Energie als ich. Er schnappte sich die Ukulele, die wir für die Fahrt mitgenommen hatten und sagte wortwörtlich. „So, wir spielen jetzt den Jungs hier ein Lied und dann sollen die uns doch einen Ride organisieren.“ 

Hier das Video zu unserer kleinen Jam. 

 

Wir spielten den Song, hatten Spaß mit den Jungs vor der Grenze und Johann fragte danach einen Kollegen, ob er uns einen Ride nach Amritsar geben könnte. Erst wollten sie uns ein Taxi rufen. Aber als wir erklärten, dass es eine Challenge war, wir kein Geld ausgeben durften und wir dringend einen Ride brauchten, um für ein Fernsehinterview rechtzeitig in die Stadt zu kommen, zeigten sie sich einsichtig.

Das Faszinierende: Einer der Jungs sagte, er würde mal schauen was sich tun lässt. Nach fünf Minuten kam er mit einem Motorradfahrer wieder, der erst mich ein paar Kilometer zum nächsten Städtchen fuhr. Dann zurück kam und Johann abholte. 

Für mich war das Hauptlearning an dieser Aktion, dass es Sinn macht, eine Crowd um sich zu versammeln, ihnen Wert zu bieten oder eine Vision zu teilen und dann einzelne Mitglieder dieser Crowd gezielt aufzufordern Dir zu helfen. Hätten wir einfach an der Straße gestanden und den Daumen rausgehalten, wären wir es an dem Tag nicht mehr weit gekommen. So hatten wir innerhalb einer Viertelstunde einen Ride. 

2. Wert geben, Rapport aufbauen, Social Proof und Empfehlungsmarketing

Das zweite Learning überschneidet sich etwas mit dem Ersten. 
In vielen Ländern durch die wir getrampt sind, hatten wir uns gerade mal einen Grundwortschatz aufgebaut, wie beispielsweise in China, Kasachstan, Kirgistan oder Pakistan. 
Dennoch haben uns Leute immer wieder mitgenommen. 
Auch hier haben wir versucht trotz mangelnder Sprachkenntnisse Rapport aufzubauen und den Leuten Wert zu geben. 
An Tankstellen haben wir erst mal eine Runde mit Tankwärtern gesprochen. 
Wir haben ein bisschen geplaudert oder Ukulele gespielt und gesungen. Fotos gemacht und ihnen erzählt, dass wir Trampen wollen. Das hatte zwei Effekte: 

1) Das Spielen der Ukulele und das Gespräch wurde oft wie ein Geschenk 6510934443_8bd2942b79_nwahrgenommen, eine willkommene Abwechslung (Wert geben). Häufig genug waren wir danach Mittelpunkt des Geschehens an der Tankstelle, und hatten „Social Proof“ aufgebaut – sprich, für Fahrer die anhielten, sah es so aus, als wären wir gut mit den Tankwärtern und dem Personal befreundet, dadurch vertrauenswürdig, und es fiel uns leichter Mitfahrgelegenheiten zu bekommen. 

2) Wie auch hinter der indischen Grenze begannen Tankstellenwärter oft ganz von allein Fahrer anzusprechen, ob sie in unsere Richtung fahren. So konnten Johann und ich uns erholen, während die Tankwärter Fahrer für uns ansprachen. Wenn die Tankwärter das nicht von alleine taten, dann fragten, wir die Tankwärter ein zwei Mal ob Auto X oder Auto Y in unsere Richtung fahren würde (indirekte Bitte um Empfehlung) und nach einer Weile begannen die Tankwärter von allein die Autofahrer zu fragen, ob sie unsere Richtung unterwegs waren. 

Um dieses Vorgehen mal auf ein Business zu übertragen: 

  • Wert kannst du geben, indem Du Menschen hilfst (das versuchen wir beispielsweise mit dem kostenlosen Emailkurs), sie unterhältst (beispielsweise indem Du Ukulele spielst oder unterhaltsamen Content postest), Leuten hilfst zu sparen, Geschenke verteilst oder oder oder.
  • Rapport aufbauen kannst Du, in dem Du mit Menschen sprichst und dich für sie, ihre Herausforderungen oder ihre Hobbys interessierst, egal ob an der Tankstelle im direkten Gespräch, als Antwort auf ein Kommentar auf Deinem Blog oder via Newslettern und Social Media
  • Social Proof – Glaubwürdigkeit – erhältst Du, in dem Du Fans um dich versammelst und Dir eine Community aufbaust und sei sie noch so klein. Wenn bereits ein paar Personen in Deinem Restaurant sitzen, ist es wahrscheinlicher, dass weitere Leute zur Tür rein kommen. Die Personen die bereits da sitzen, sind ein Indikator dafür, dass das Essen bei Dir zumindest genießbar ist. Stelle sicher, dass Du ein paar Referenzen hast, ein bisschen Social Proof. Und wenn die Leute nur in Deinem Restaurant sitzen, weil Du ihnen eine Tasse Tee aufs Haus spendiert hast.
  • Empfehlungsmarketing: Erzähle Leuten die Dich kennen was Du vorhast und bitte sie anderen davon zu erzählen. So einfach. That’s it. Tue das systematisch und mache es für die Leute so einfach wie möglich, dich weiter zu empfehlen (wenn Tankwärter jemanden für uns angesprochen haben, dann habe ich nicht etwa geschlafen, sondern habe mich freundlich gezeigt und mich der Person vorgestellt, die in unsere Richtung fuhr).

3. Die Strategie der kleinen Schritte

8595329271_e35a0096b6Manchmal kommst Du an einen Ort an dem Du das Gefühl hast festzustecken oder nur sehr langsam voranzukommen. Beim Trampen sind das Rides, die dich gerade mal 100 Kilometer mitnehmen können. 

Was ich gelernt habe ist, dass auch 100 Kilometer eine neue Chance bieten können. Solange dich der Fahrer nicht irgendwo am A***** der Heide rauslässt, kommt man auch mit kleinen Schritten irgendwann ans Ziel. 

Für Dein Business bedeutet das, wenn Du regelmäßig, beispielsweise 52 mal im Jahr kleine, systematische Verbesserungen an Deinem Business machst, beispielsweise Dein Marketing verbesserst, dann summieren sich die kleinen Erfolge zu einem großen Erfolg über das Jahr gesehen.

Große Projekte versanden oft. (wie oft ich schon große Projekte zur Verbesserung eines Business umsetzen wollte und dann irgendwo stecken geblieben bin) Aber kleine messebare Fortschritte lassen sich mit einem Team oft schon innerhalb von ein bis zwei Stunden umsetzen und sind kleine, motivierende und vor allem regelmäßige Fortschritte. 

Versuch einmal mindestens wöchentlich etwas AN Deinem Business zu verbessern und nicht nur IN Deinem Business zu arbeiten. Wenn Du wöchentlich die Prozesse und die Workflows in Deinem Projekt oder Business verbesserst, dann hast Du in einem Jahr sicherlich gleich einen ganzen Haufen Meilensteine fast nebenbei erreicht.

4. Mindset

Dieses Learning ist kurz aber wichtig. Oft sind wir an Orten gestrandet, von denen uns Leute gesagt haben, dass es unmöglich wäre zu trampen. 

Das halbe Dorf hat sich um uns versammelt, um uns zu sagen, dass wir nicht weiterkommen würden. 

Unser naive Antwort war meistens – na gut, wir versuchen es einfach mal. Ansonsten bleiben wir eben hier. 

Meistens hatten wir innerhalb von ein, zwei Stunden wieder eine Mitfahrgelegenheit.

Das Learning für Dein Business: Manchmal hilft es etwas stur zu sein und einfach weiter zu machen. Vielleicht musst Du Deinen Ansatz etwas verändern. Vielleicht musst Du noch etwas lernen, um Erfolg zu haben. Aber lass Dir von niemandem erzählen, dass etwas unmöglich ist. Bring etwas Naivität mit und habe Spaß am Ausprobieren. 

Bist Du schon gereist und hast auf der Reise Erfahrungen gemacht oder Aha-Erlebnisse gehabt, die Dir bei Deinem Projekt geholfen haben? Falls ja, freue ich mich auf Dein Kommentar. 

Cheers
Thomas


P.S.: Falls Du den Artikel gut fandest und Lust hast zu sehen wie Johann und ich nach Indien trampen, würde ich mich freuen, wenn Du unsere Crowdfunding Kampagne unterstützt oder teilst.

 

 

Bild: Thomas Tolkien / Bild:  asenat29